Bericht Kinonacht, Gäubote
Brezeln fliegen durch das Weltall
Die Haslacher haben seit nunmehr vier Jahren eine Kinonacht, die enthusiastisch besucht wird, auch wenn sie nicht in eine heiße Sommernacht fällt - sie haben außerdem einen eigenen Werbeblock und einen eigenen Jungregisseur, dessen Arbeit natürlich nicht fehlen darf, wenn der Ort am Rathaus zusieht.Von Thomas Morawitzky
Daniel Vogelmann war schon bei der ersten Haslacher Filmenacht 2005 mit von der Partie, damals mit seinem skurrilen Kurzfilm "Dubois" - mittlerweile geht das Filmstudium des Haslachers in München seinem Ende entgegen, er hat eine eigene Produktionsfirma gegründet ("Von Herzen Filmproduktion"), die vor allem Werbefilme realisiert.
Daneben hat er sich gründlich mit dem Heimatfilm der 50er Jahre und der Psychoanalyse beschäftigt, was weniger weit auseinanderliegt, als man annehmen sollte, berücksichtigt man die aggressive Verdrängung damals erst wenige Jahre zurückliegender Ereignisse in den 50ern und den Niederschlag, den sie im idyllischen Genre fand. Der Heimatfilm mit seinem Rekurs auf die deutsche Romantik hat viel Unheimliches in sich, findet Daniel Vogelmann, weshalb er sich in seinem neuesten Filmprojekt auch mit genau diesem Thema beschäftigt.
Einen kleinen Horrorfilm um einen Mann, dessen Realitätssinn der Verdrängung anheimfiel, hat er schon kürzlich gedreht - in Haslach fand man indes, Horrorfilme seien nicht für Familienfilmnächte geeignet, und griff deshalb auf ein früheres Werk zurück, "Rumkugeln mit Völkerball", einen Film, den Vogelmann bereits 2003 drehte, der nur wenige Minuten läuft und der ein seltsames Spiel mit Teilnehmern verschiedener Nationen zeigt.
Nicht minder amüsant für Haslacher, was die Videogruppe mit Mitgliedern des TV Haslach und des Fördervereins der Grundschule vorführte. Die fünfte Haslacher Filmnacht, so sagten sich die vier Mitglieder dieser Gruppe, sei doch ein kleines Jubiläum, und das sollte man feiern mit einer kleinen Überraschung.
Nun ist Haslach beileibe kein großer Teilort der Kleinstadt Herrenberg, aber es hat, was mancher andere Teilort anderer Städte bald nicht mehr hat, nämlich einen Bäcker. Die Videogruppe kratzte alles zusammen, was in Haslach an Einzelhandel geboten ist - außer dem Bäcker eine Tankstelle und einen Metzger - und filmte einen kurzen Werbeblock, der vor dem Hauptfilm des Abends vorüberziehen durfte. Da also begegnete das erstaunte Haslacher Publikum galaktisch guten Brezeln, die zum Soundtrack der "Star Wars"-Filme ihre Bahn durch den Weltraum zogen. Außerdem sahen sie die halbe Ortschaft zur Tür hinein und hinausgehen, das Filmteam in einmütiger Verzehrfreude in Würste hineinbeißen, den Metzger höchstpersönlich mit dem Gesäß wackeln und den Inhaber des Autohauses aus seiner Tankstelle hervorwinken. Dann aber weiter zum Hauptfilm.
Der kam in diesem Jahr aus Tschechien, hieß "Leergut" und handelte von einem pensionierten Lehrer, dem jede Perspektive abhandengekommen schien, bis er sich auf renitente Lebensfreude besann und Erfüllung fand - als Leergutsortierer in einem Supermarkt. Erzählt wird das mit einer Schlichtheit und Empfindsamkeit, die das zunächst eher deprimierende Sujet zu einer Lehrstunde der Lebensweisheit macht.
In Haslach war man, als diese Geschichte auf der Rathauswand zu leuchten begann, längst schon bester Stimmung - zuvor hatte man ein wenig gefeiert, auf dem Rathausplatz, zum Leberkäse vielleicht auch ein Schnäpschen getrunken, und nun saßen rund 150 Besucher, Familien, Kinder und Katzen vor dem Rechteck des Filmbildes und knabberten zufrieden am selbst geknallten Popcorn.
Quelle: Gäubote, 14.09.2009









