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Im Vorflim: "Dubois"

Urrhythmen auf der geheimnisvollen Haselfichte

Esoterik und Motivationstraining wenn das nicht dubios ist. Die Frage, wie dieser Film zu seinem Titel kam, erübrigt sich. Daniel Vogelmann, angehender Filmregisseur aus Haslach, hat bei der ersten Haslacher Kinonacht in der vergangenen Woche seinen Kurzfilm "Dubois" vorgestellt: Eine schräge Satire auf Motivationstrainer, Pädagogen und Musikinstrumente eine Dokumentation mit einem Zug ins Surreale.

Jaques Dubois wird als Motivationstrainer einer Werbeagentur eingestellt. Zwölf Minuten und 52 Sekunden lang begleitet und porträtiert Daniel Vogelmanns Film diesen Trainer. Dubois will den ihm anvertrauten Angestellten mittels einfacher Musikinstrumente den "Urrhythmus" lehren. In der Gruppe sollen sie ihren Rhythmus finden. Die Kamera huscht hin und her, zwischen Teilnehmern, die freudig wie Kinder in einer Turnhalle auf Röhrenglocken und Klanghölzer einschlagen. Nur einer fällt aus der Reihe, verfehlt den Rhythmus, und muss in die Gruppe zurückgeführt werden: Ein leitender Angestellter, der weinend zusammenbricht, weil er bei der Einübung von Gruppenmechanismen auf dem Niveau eines Kindergartens versagt. Immer wieder ist dabei Dubois selbst zu sehen, ein aufgeregter, bärtiger Pädagoge mittleren Alters, der gestikulierend seine esoterische Philosophie vorträgt. Diese Situation stellt der Film höchst authentisch dar: Man glaubt, diesem Dubois selbst schon begegnet zu sein im Fernsehen, in der Volkshochschule, im Klassenzimmer.

Und dort hat Vogelmann auch die Inspiration für seinen Kurzfilm gefunden. Es sind Erinnerungen, vor allem an die musikalische Früherziehung, die er in diese Satire einfließen ließ. Aber auch der eine oder andere Lehrer, sagt er, könne sich möglicherweise in dieser Gestalt wieder erkennen. Die Orffschen Instrumente, auf denen die Mitglieder der Therapiegruppe musizieren, sind für den Jungregisseur "die albernsten Instrumente überhaupt". Allzu gut erinnert er sich an die Rituale der Früherziehung: "Die Coolsten durften das Xylofon spielen, dann kamen die, die die Röhrenglocken bekamen, auf denen man nur zwei Töne spielen kann, und wer ganz schlecht war, musste das Tamburin spielen." In "Dubois" macht sich Vogelmann lustig über solche pädagogischen Klischees. Zugleich nimmt er den zusehends florierenden "Beruf" des Motivationstrainers aufs Korn und stellt dessen Fragwürdigkeit heraus und auch die diverser esoterischer Trends. Die Semi-Dokumentation stellt das so ernsthaft dar, dass für den Betrachter der Unterschied verschwimmt zwischen Realität und Satire. Eine kurze Szene, die sich vom Rest des Filmes abhebt, schafft Klarheit. Und in ihr ist Vogelmann in seinem Element.

Dubois erklärt darin, wie er die Eingebung zu seiner Therapie im Traum erhielt. Eine skurrile Szene, in der man den Pädagogen in der Uniform eines Jägers und angeschlagener Schrotflinte durch den Wald schleichen sieht. Er begegnet zwei mysteriösen Gestalten, die ihm ein Klangholz und eine unter bedeutungsschwangerem Getöse selbst gebogene Röhrenglocke übergeben. Fortan verbreitet Dubois mit missionarischem Eifer seine Lehre vom "Urrhythmus" und den Orffschen Instrumenten, die aus der rätselhaften "Haselfichte" geschnitzt sein müssen.

Eine "Haselfichte" gibt es in Wirklichkeit natürlich nicht. Das Holzstück, das Dubois bei einem Spaziergang aus dem Schnee zieht und das er daraufhin wie ein Kind in seinen Armen umher trägt, ist, wie die ganze Traumsequenz, ein Zitat aus der Fernsehserie "Twin Peaks", deren Regisseur David Lynch zu Daniel Vogelmanns Vorbildern gehört. Dort erhält der Geheimagent Cooper Hinweise auf ein Verbrechen in seinen Träumen und die mysteriöse "Log Lady" trägt ein Holzscheit umher, mit dem sie Gespräche führt. Die Traumsequenz hat der Regisseur in seinen Film eingebaut, um die Ernsthaftigkeit der Dokumentation zu ironisieren und um "den größtmöglichen stilistischen Kontrast" innerhalb des Filmes zu erreichen.

Zu sehen war Vogelmanns Film am Freitag als Vorfilm der ersten Haslacher Kinonacht, die schließlich doch im Freien stattfinden konnte: Die rund 250 Sitze, mit denen der Parkplatz hinter dem Haslacher Rathaus bestuhlt war, waren besetzt, als "Dubois" über die Leinwand flimmerte.

"Im Vergleich dazu ist das Abitur ein Spaziergang", erinnert sich Vogelmann an seine Bewerbung für ein Studium an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Nun beginnt sein drittes Semester. "Dubois" ist der "Film eins", den er während seines zweiten Semesters anfertigen musste, unter "programmatisch limitierten Produktionsbedingungen", wie er erzählt. Beim ersten Filmprojekt darf ein Student nur auf ein stark begrenztes Budget zurückgreifen, muss in Schwarz-Weiß drehen und darf nur ein sehr einfaches Gerät für Tonaufnahmen verwenden. Mit "Dubois" gelang es dem jungen Regisseur immerhin, einen hochschulinternen Preis zu erringen. Mittlerweile hat er seinen Film bei verschiedenen Festivals eingereicht; in Wien wurde er bereits gezeigt.

Mit 18, erzählt Daniel Vogelmann, habe er beschlossen, Regisseur zu werden. Zuvor hatte er Erfahrungen als Mitglied einer Theatergruppe am Herrenberger AndreaeGymnasium gesammelt. Noch drei Jahre sollte es allerdings dauern, bis er 2001, nach einem USA-Aufenthalt, seinen ersten Kurzfilm drehte, den er "Rotkäppchen" nannte auch dies eine vom Surrealismus inspirierte Geschichte.

Geboren wurde Vogelmann 1980 in Ludwigsburg; wenige Jahre später schon zog seine Familie nach Haslach, im Jahr 2000 legte er im Gäu sein Abitur ab. "Soziale Kompetenz", sagt er, "ist beim Film am wichtigsten, alles geht über Kommunikation". Als angehender Regisseur, erzählt er, sollte man aber auch bereit sein, "sein ganzes Leben umzukrempeln. Ein geregeltes Leben kann man in diesem Beruf nicht führen. Darauf muss man sich einlassen".

Quelle: Gäubote, Herrenberg. Erschienen am 13.09.2005



Aktualisiert: 26.12.2011