Die Kinonacht im Gäuboten
Erlös fürs Backhaus

Nach dem großen Erfolg mit gut 200 Besuchern, die vor einem Jahr am letzten Ferienfreitag die skurrile bayerische Komödie "Die Scheinheiligen" sahen, wird es am Freitag, 15. September, erneut Open-Air-Kino hinter dem Haslacher Rathaus geben.
Diesmal auf dem Spielplan: der 2004 entstandene "Erbsen auf halb 6" von Lars Büchel. Projiziert wird der von zwei durch Europa reisenden Blinden (Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason) handelnde Film direkt auf die weißgetünchte Rathauswand.
"Die Veranstaltung soll zu einer Belebung unseres Dorfplatzes beitragen", sagt Astrid Günther, die sich in der zu einer aus Mitgliedern verschiedener Haslacher Vereine bestehenden Arbeitsgemeinschaft wegen ihres Faibles für kleine, aber feine Kinofilme um das Open-Air-Kino kümmert. "Wir werden den Platz auch diesmal schon um 18 Uhr für eine Hocketse öffnen, Filmbeginn ist dann um 20 Uhr", sagt Astrid Günther.
Der Erlös der Veranstaltung soll auch diesmal wieder dem Erhalt des Haslacher Backhauses zugute kommen. Zur Auswahl des Films bemerkt die passionierte Programmkinobesucherin: "Dem Film gelingt es auf eine gute Art, eine Behinderung wie Blindheit auf eine positive Art darzustellen." In der Tat verklärt die Reise durch ein malerisch zerfallenes Osteuropa mit seinen folkloristischen Ritualen und der sich entwickelnden Liebesgeschichte die Blindheit zu einem Zustand höherer poetischer Wahrnehmungsfähigkeit. Sollte die Witterung eine Projektion im Freien nicht zulassen (die Technik wird vom Kommunalen Kino Herrenberg gestellt), ist als Ausweichquartier das evangelische Gemeindehaus in Haslach vorgesehen.
Quelle: Gäubote Herrenberg
Zur Nachbesprechung des Filmes
Mit freundlicher Unterstützung des Kommunalen Kino, Herrenberg
Sirup und Most statt Erbsensuppe
Herrenberg-Haslach. Eine Hocketse zum Ende der Schulferien kommt immer gut. Schließlich gibts da im Rückblick auf die Urlaubswochen viel zu erzählen. In Haslach traf man sich am Freitagabend aber nicht nur zum Austausch der schönsten Ferienerlebnisse, sondern vor allem auch, um anlässlich des zweiten Haslacher Open-Air-Kinos auf die Rathauswand zu schauen. Dort lief der deutsche Spielfilm "Erbsen auf halb 6" von Lars Büchel. Rund 200 Besucher haben ihn sich angesehen.
Statt titelkonform auf eventuell eine Erbsensuppe zur Stärkung vor dem Film zu setzen, hat man sich bei der veranstaltenden Interessensgemeinschaft der Haslacher Vereine jedoch auf keine Experimente eingelassen. "Ich hatte mir das tatsächlich schon durch den Kopf gehen lassen, war mir dann aber nicht sicher, ob ich damit auch den Geschmack der Hocketse- und Filmbesucher getroffen hätte", sagt Astrid Günther, die Initiatorin des Haslacher Open-Air-Kinos. Eine Besonderheit neben den üblichen Getränken und Vesperwaren war indes ein aus Holunderblütensirup und Most bestehender Cocktail der Sirup gebraut von Annemarie Rott nach einem im Haslacher Kochbuch aufgeschriebenen Rezept. Zum Film gab es dann auch noch Popcorn wie alle Verzehrartikel zu zivilen Preisen. "Wenn man sonst zu viert ins Kino geht, dann kommt diesbezüglich auch immer ein hübsches Sümmchen zusammen", weiß Astrid Günther von ihren regelmäßigen Kinobesuchen.
Den Erlös aus der Aktion will die Interessensgemeinschaft der Haslacher Vereine in das gleich neben dem Rathaus stehende Backhaus stecken. 1 200 Euro sind im vergangenen Jahr bei der Kinopremiere zusammengekommen, bei erneut um die 200 Besuchern plus einige mehr, die lediglich zur Hocketse kamen dürfte auch dieses Mal wieder mit einem ähnlichen Betrag zu rechnen sein. Investiert werden soll das Geld in einen Raum des früher einmal als Badeanstalt dienenden Backhauses, der den Haslacher Vereinen für Aktivitäten zur Verfügung stehen soll. "Ich finde es toll, dass unsere Vereine hier so viel Eigeninitiative an den Tag legen", lobte Ortsvorsteher Ulrich Vogelmann das ehrenamtliche Engagement der Haslacher.
Im Rahmen der freitäglichen Veranstaltung hat sich dies so geäußert, das die Feuerwehr sich um den Aufbau der Verkaufsstände und die Getränke kümmerte, der Gesangverein die Bestuhlung vornahm, Mitglieder der Kirchengemeinde sich im Verkauf engagierten, der Förderverein der Grundschule sich der Popcornbude annahm und Mitglieder des TV Haslach in Organisation, Auf- und Abbau sowie ebenfalls den Getränkeverkauf eingebunden waren. "Es hat wieder wunderbar funktioniert, alle machen was", freute sich Astrid Günther über den reibungslosen Ablauf.
Besonders froh war sie auch, dass das Kommunale Kino Herrenberg die Projektionstechnik zur Verfügung stellte. Auf den Aufbau einer Leinwand konnte indes verzichtet werden: Die weißgetünchte Rathauswand war dafür ausreichend. "Ich war wieder ganz erstaunt, wie gut die Bildästhetik war", zeigte sich Günther angetan. Quittiert wurde die Filmvorführung über zwei Blinde (Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason) auf ihrer Reise durch Europa schließlich mit spontanem Schlussapplaus. Einige Besucher zeigten sich ganz gerührt von der tragikomischen Liebesgeschichte, in der das Geräusch von Regen eine ganz entscheidende Rolle spielt. Um nochmals auf die Erbsen im Titel zurückzukommen: Beschrieben wird damit die einem Uhrzifferblatt entsprechende Position, auf der ein Blinder die Erbsen auf seinem Teller findet und vielleicht finden die Haslacher beim nächsten Open-Air-Kino in einem Jahr ja zum dann ausgewählten Film passende Speisen- oder Getränkeangebote auch auf ihrer Hocketse wieder.
Quelle: Gäubote Herrenberg
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