2. Haslacher Kinonacht am 15.09.2006:
Die
Haslacher Vereine
mit freundlicher Unterstützung des
"Kommunalen Kino"
, Herrenberg präsentierten:
Erbsen auf halb 6
Um eine Liebe, die anders ist, davon handelt Lars Büchels (Jetzt oder nie - Zeit ist Geld) zweiter Spielfilm. Mit Fritzi Haberlandt in der Hauptrolle.
Ein junger Theaterregisseur steht vor dem Sprung nach ganz oben, aber nach einem Autounfall ist nichts mehr so, wie es einmal war. Er ist blind, verzweifelt, wütend. Erst einmal hadert er mit dem Schicksal und den Menschen, die ihm helfen wollen wie Lilly, einer von Geburt aus Blinden, die ihm als Lehrerin beibringen soll, sich zurechtzufinden. Erst sehr spät vertraut er ihr und verliebt sich. Und als er sich auf die Reise zur sterbenden Mutter im entfernten Russland macht, lässt er Lilly bei der Verabschiedung einfach nicht vom Schiff. Und so starten sie einen abenteuerlichen Trip, der zwei Fremde zueinander bringt, ihnen die Augen füreinander öffnet.
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Lars Büchel ist kein 08/15-Regisseur. Er macht Filme fürs Publikum, aber "mit Anspruch", wie er es scherzhaft formuliert. Das Konzept funktionierte schon bei seine Kinodebüt "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld", in dem drei alte Ladies kriminelle Energien entwickelten und so manchen Bankräuber alt aussehen ließen. Erst sollte die Handlung in Hamburg spielen, aber dann entschieden sich Büchel und Drehbuchautorin Ruth Toma zu einem poetischen Road-Movie, bei dem das blinde Paar bis zum Ziel die absurdesten Situationen erlebt und die seltsamsten Vögel trifft - ihnen auf den Fersen Lillys Verlobter und ihre besorgte Mutter. In ihrer Opulenz und Fantasie erinnern manche Bildkompositionen an Emir Kusturica, osteuropäischer Einfluss lässt sich nicht verleugnen.
Neben dem ausgeprägten visuellen Aspekt konzentriert sich der Film auf einen starken hörbaren Hintergrund, typisch für Blinde, die sich an Tönen orientieren, die durch das Hören quasi Sehen. "Erbsen auf halb 6" ist die spannende Geschichte einer ungewöhnlichen und unmöglichen Liebe angesiedelt im magischen Realismus, ein Märchen zum Sich-Verlieren ausgeschmückt mit trockenem Humor und fein gesponnener Sensibilität, ein optischer Hingucker. Wer mit logischen Grundsätzen misst, steht hier auf verlorenem Posten. Es ist die Eigenwilligkeit, die fasziniert, Büchels Mut, nicht im bequemen Fahrwasser des Mittelmaßes zu schwimmen, sondern etwas zu riskieren, neue Wege zu gehen, den Zuschauer herauszufordern.
Dazu gehört auch, die männliche Hauptrolle mit dem bei uns relativ unbekannten Isländer Hilmir Snaer Gudnason ("101 Reykjavik", "Blueprint") zu besetzen, der wunderbar zum überragenden Theaterstar Fritzi Haberlandt passt. Romantik pur. Was zählt, sind die Macht der Gefühle und der Mut zum Leben, auch wenn dieses für einen kurzen Moment ausweglos scheint. Der Titel bezieht sich übrigens darauf, dass Blinde das Essen auf dem Teller im Uhrzeiger-Sinn "erkennen" können.
Da stehen die Erbsen eben schon mal auf halb 6...
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Mit freundlicher Unterstützung des Kommunalen Kino, Herrenberg