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Schäbischer Abend...

Die Haslacher Vereine präsentierten...

Königreich Württemberg 



So isch's na au wieder


Ein schwäbischer Abend mit

Rolf Welz und

Volker Mall


Honoratiorenschwäbisch und geerdeter Dialekt

Herrenberg-Haslach Zu einem Dorfabend mit schwäbischem Kabarett und Gesang mit Volker Mall und Rudolf Belz strömten am Freitagabend etwa 80 Haslacher ins Rathaus. Der Erlös der Veranstaltung kommt der Sanierung des Backhauses zugute.

Ortschaftsrätin Astrid Günther freut sich: "Wir haben optimistisch bestuhlt, und alle Plätze sind besetzt." Das spült wieder etwas Geld in die Kasse, die den zu großen Teilen in Eigeninitiative geplanten Umbau und die Renovierung des Backhäusles finanzieren soll. Durch einige Umbauarbeiten der Räume soll das Backhäusle für die verschiedenen Haslacher Vereine besser genutzt werden können. Deshalb gibt es in jüngster Zeit einige Veranstaltungen, deren Erlös das Projekt fördert. Die beiden Hauptakteure des Abends, beides ehemalige Lehrer am Herrenberger Andreae-Gymnasium, tragen gern dazu bei.

Mit vertonten Gedichten von Sebastian Blau, der eigentlich Josef Eberle hieß und nach dem Zweiten Weltkrieg langjähriger Herausgeber der "Stuttgarter Zeitung" war, erfreut Volker Mall die Zuschauer. Unter dem Pseudonym "Sebastian Blau" veröffentlichte Eberle zahlreiche schwäbische Gedichte. Einige der musikalischen Bearbeitungen seiner Werke stammen von Volker Mall selbst. Mit beschwingten, oft regelrecht jazzigen Klavieranschlägen erkundet er mit den Texten des 1901 in Rottenburg geborenen Sebastian Blau die charakterlichen Untiefen der Schwaben. Um die Knitzigkeit geht es, aber auch um den Schwermut, den bisweilen so manches Schwabenherz befällt und der sich im Erschaffen kleiner literarischer Perlen niederschlägt. Sowieso stehen die Schwaben in dieser Hinsicht laut Sebastian Blau in gepflegter Tradition: Schließlich haben sich illustre Persönlichkeiten wie Hauff, Mörike, Uhland und Hölderlin, die allesamt aus dem Ländle stammen, verbal auf das Schönste ausgetobt.

Verbal zur Sache geht es auch in den kleinen Geschichten über die beiden Urschwaben Pfeifle und Mauz. Diese beiden Figuren erfand Rudolf Belz gemeinsam mit dem verstorbenen Manfred Noll. Bis in die 60er Jahre liefen die kleinen, kabaretthaften Radiosketche im SWR. Schließlich entschied sich Rudolf Belz aber doch für die gesicherte Existenz als Gymnasiallehrer und stellte die Karriere als schwäbischer Kabarettist hinten an. Noch heute merkt der Zuschauer jedoch, mit wie viel Freude und Genauigkeit er seine Figuren darstellt und bis ins Detail auslotet. "Es geht nicht einfach nur um ein Gespräch zwischen dem Blöden und dem Gscheiten", erklärt er die Anordnung, mit der jeder Sketch beginnt. Pfeifle eröffnet das Gespräch mit Mauz. Dabei kommen ihm jedes Mal Fremdwörter höchsten Anspruchs über die Lippen. An diesen verhebt sich der nicht gerade universitär gebildete Pfeifle jedoch regelmäßig und schließlich wird quasi "bloß noch im Kringel romgschwätzt" und das Gespräch verliert jeglichen Sinn. Dass Pfeifle alias Rudolf Belz etwas überspannt ist und mit seinen Fragen und Thesen schnell ins Cholerische abgleitet und Mauz alias Volker Mall stets auf, mit Verlaub, furztrockene Art und Weise antwortet, macht die Sache zu einem witzigen Gesprächsreigen mit offenem Ausgang. Die Zuschauer freuen sich über Erörterungen über den übergewichtigen Sohn Pfeifles, dem es zudem auch noch an "geistiger Substanz" mangelt, oder über musikalische Wahrnehmung und die "Sentimente", die das Musikhören auslöse. Dass dabei das klassische Honoratiorenschwäbisch Pfeifles auf den bodenständigen, geerdeten Dialekt des Gesprächspartners trifft, ist ein weiterer Aspekt der ausgeklügelten Gesprächsdramaturgie. Der Mix aus trockenen Pointen und gesungenen Beschreibungen des Schwabencharakters kam beim Publikum an, und reichlich Beifall beendete den gelungenen Dorfabend.

Quelle:
Gäubote, Herrenberg



Aktualisiert: 26.12.2011