Frankreich - das Land der "seltsamen" Liebesgeschichten. Eine solche Geschichte erzählt Isabelle Mergault in ihrem Regieerstling. Die Rahmenhandlung ist denkbar einfach, doch die Umsetzung vermag zu begeistern. Trotz einiger schwieriger Themen, wie dem "Frauenhandel" im weitesten Sinne, verfällt Mergaults Film nie in Kitsch, bleibt nicht oberflächlich. Er verzaubert ganz einfach: Mit Michel Blanc hätte sie keinen besseren Darsteller für den in Gefühlsdingen etwas unbedarften Aymé finden können. Er ist so, wie man sich typische französische Bauern vorstellt: Leicht griesgrämig und doch charmant, ein liebenswürdiger Kauz eben. Blanc, selbst ebenfalls Regisseur, wurde berits mehrmals für den CÉSAR, gewissermaßen den französischen Oscar, nominiert und kann auf eine lange und bewegte Karriere zurückblicken: Er drehte unter anderem mit Polanski, Chabrol, Altman, Greenaway, Leconte und Begnini und zählt zu den unbestrittenen Größen des französischen Kinos. Ihm zur Seite stellt Mergault die in Rumänien nicht gänzlich unbekannte Schauspielerin Medeea Marinescu, die bereits mit drei Jahren ihre ersten Erfahrungen als Schauspielerin sammelte. In "Sie sind ein schöner Mann" fungiert sie als Kontrapunkt zu Aymè - ihre Zartheit berührt nicht nur den älteren Herrn, sondern auch die jungen Männer des Dorfes.
Mergaults Debüt ist gewissermaßen die Spielfilmversion eines "Bauer sucht Frau", verzichtet aber darauf, den Zuschauer in eine Lage zu versetzen, in der er sich über Aymès Situation lustig macht. Im Gegenteil, man identifiziert sich sogar sehr gut mit der präkären Situation, in der sich der Witwer urplötzlich befindet. Dass natürlich trotzdem herzlich gelacht werden darf, schließt sich in diesem Fall nicht aus! Denn natürlich sorgt Aymès Hilflosigkeit für Situationskomik: Zwischen "makaber" - wenn er zum ersten Mal die Waschmaschine bedient, und vergisst, dass die Katze sich in der Trommel befindet - und "unbedarft" - wenn er zum ersten Mal nach Rumänien fliegt, und die Bonbons für Ohropax hält - ist alles vorhanden!
"Sie sind ein schöner Mann" versetzt seine Zuschauer einfach in Entzücken! Mit tollem Gespür für feinsinnigen Humor, mit seiner liebevoll erzählten Geschichte, mit seinem Faible für seine Charaktere. Endlich wieder ein Film, der es schafft, beim Zuschauer Emotionen zu erzeugen, ohne auf Klischeemuster von der Stange zurückgreifen zu müssen. Und selbst wenn der Schluss nicht ganz als kitscheefreie Zone zu bezeichnen ist, so passt er doch perfekt in diesen Film: Wahre Liebe gibt es tatsächlich noch! Leider viel zu selten im Kino. Dieses Juwel zeitgenössischen französischen Kinos gehört zweifellos zu den sehenswertesten des Jahres!
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