Fast ein Kulturgut
Fast ein Kulturgut...
Ein unerschöpfliches Thema für alle Schwaben und alle Zugezogenen ist die Kehrwoche, diese typisch schwäbische Erfindung aus Nachbarschaftsbespitzelei und puritanischen Reinlichkeitsritualen.
Begonnen hat alles im Jahre1492 als Graf Eberhard im Bart in der Stadtordnung die Anfänge der Kehrwoche wie folgt befiehlt: "Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Woche hinausführen".
Also gleich vorweg, die Kehrwoche ist sinnvoll und wird allgemein nach Kräften durchgeführt. Aber eines fällt halt doch auf: der Sinn der Kehrwoche scheint weniger der kollektive öffentliche Sauberkeitswahn zu sein, sondern vielmehr im Gesehen werden mit Bäsa, Kuddrschauffl, Schrubbr ond Oimr zu bestehen. Nicht das Ergebnis zählt, sondern der Beweis: ein überfluteter Kellergang ist wichtiger als eine saubere Kellertreppe.
Gängige Mittel sind z.B. das Verräumen sämtlicher Eingangsmatten im ganzen Haus, das absichtliche Verstreuen von Wollfusseln zur Kontrolle der Nachbarn, das auffällige und langandauernde Platzieren von Reinigungsutensilien im ganzen Hause oder einfach das stundenlange Stöhnen mit dem Besen in der Hand auf dem Gehweg.

