Industrialisierung
Langsamer Wandel nach 1900
Nur langsam hält die Industrialisierung in dem um 1900 noch fast reinen Herrenberger Agrarbezirk ihren Einzug. Das Hausgewerbe behielt lange den Vorrang, so das Weben und Spinnen, zählte man doch in unserem Bezirk noch im Jahre 1852 367 tätige Leineweber.
Für Haslach blieb bis in unsere Jahrzehnte die außerordentlich schlechte Verkehrslage ein schier unüberwindliches Hindernis, erinnern sich doch die ältesten Einwohner daran, wie bis etwa 1910 die gelbe Postkutsche, der Postillon mit dem gelben Hörn auf dem Bock, in das Dorf einfuhr.
Immerhin meldet die EVS (= Energieversorgung Schwaben) für 1907 bei 490 Einwohnern 20 elektrische Anschlüsse, 20 Motoren, 20 landwirtschaftliche Betriebe und 45 Glühlampen im Ort.
Erst allmählich setzten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Milch-Sammelstelle und das Verbuttern am Ort durch, das in einer eigens gebauten Molkerei ein gewisser Spiegel und dann Emil Gräther und Rudolf Ulmer als Privatunternehmen besorgten. Die Butter wurde in einem „Pritschenwägele", von 2 Hunden gezogen, dann mit dem Pferdefuhrwerk, nach Herrenberg gebracht, später mit der Bahn bis Stuttgart befördert. 1933 wurde die Milchgenossenschaft unter Martin Reichert gegründet. Die Steigerung der Produktion ließ Absatz- und Einkaufsgenossenschaften und andere Gemeinschaftseinrichtungen entstehen.
Ohne Zweifel bildet auch das Volksschulgesetz vom 17. August 1909 einen tiefen Einschnitt, löst es auch die seit der Reformation bestehende enge Personalunion von Staat und Kirche und schafft statt des Konsistoriums ab 1. 4. 1910 eine eigene Oberschulbehörde. Nur in kleineren Gemeinden blieb der Geistliche noch Vorsitzender des Ortsschulrates unter Beschränkung seiner Befugnisse auf die Schulpflege. Damit war die jahrhundertelange Vorrangstellung des Pfarrers in Gemeinde und Schule beendet. — Schließlich machte die Revolution von 1918 eine neue Ordnung erforderlich.
Zugleich erfährt die Schule des Ortes eine Aufwertung. Sie war zwar schon geraume Zeit zweiklassig (mit einem „Unterlehrer", vorher einem „Lehrgehilfen"), vorübergehend wieder einklassig. Am 17.11.1913 kann sie an der Sindlinger Straße ein neues Schulhaus mit zwei Klassenzimmern, einem Gymnastikraum und einer Lehrerwohnung beziehen.

