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So veredeln Sie Ihre Obstbäume
Veredeln – das kennt man eigentlich nur von Rosen. Oder wissen Sie, wie man das bei Obstbäumen macht?
Veredeln – das bedeutet doch bestimmt so etwas wie Verbessern oder Verschönern.
Warum werden Obstbäume veredelt?
Das Veredeln ist eine Art der ungeschlechtlichen Vermehrung und wird im Obstbau deshalb angewendet, weil die Obstarten bzw. Obstsorten nur in Ausnahmefällen durch Samen echt vermehrt werden können. Außerdem erreicht man mit dem Veredeln auf eine fremde Wurzel, dass der Baum schwächer wächst und früher fruchtet.
Seit wann wird das Veredeln von Obstgehölzen schon angewendet?
Die extreme Form der schwach wachsenden Unterlagen gibt es noch nicht so lange, aber das Veredeln von Obstgehölzen ist eine uralte gärtnerische Technik. Schon die Phönizier 1000 vor Chr. veredelten Bäume in ihren Obstgärten, um gleiche Sorten zu erhalten.
Kann das jeder machen, der einen besonderen Baum im Garten haben möchte?
Ja klar, mit etwas handwerklichem Geschick kann jeder Hobbyanbauer im Frühjahr im Garten stehende Bäume veredeln. Das muss nicht unbedingt der Wunsch nach einem besonderen Baum sein, der einen zum Veredeln bringt, manchmal kauft man einen Baum mit einer bestimmten Sorte, pflanzt ihn, hegt und pflegt ihn - und nach den ersten Erträgen stellt man fest, dass die Sorte doch nicht so toll ist, weil die Früchte zu groß oder zu klein sind oder alle möglichen Krankheiten die Früchte befallen. Den Baum gänzlich herauszureißen, da blutet einem doch das Herz - also einfach umveredeln! So ist es möglich, einen ganzen Baum mit einer aktuellen Sorte oder auch mit mehreren Sorten an den Baum zu veredeln. Das sieht klasse aus, wenn ein Baum zu v verschiedenen Zeiten blüht und verschiedene Früchte trägt. Auch das Einveredeln einer fremden Sorte in die Krone einer selbstunfruchtbaren Sorte bringt meist den gewünschten Erfolg.
Wie veredelt man richtig?
Schnitt an der Unterlage zum Lösen der Rinde. Die effektivste und einfachste Veredlungsmethode für einzelne Bäume ist das so genannte „Pfropfen hinter die Rinde“. Diese Methode verspricht auch gleichzeitig den größten Erfolg. Der umzupfropfende Baum wird für die Veredlung vorbereitet, d.h. die entsprechenden Äste werden abgesägt und abgeschnitten. Die dabei entstehenden Pfropfköpfe, in die Edelreiser eingefügt werden, sollten mit dem Messer am Rand geglättet werden. Mit dem Pfropfmesser wird ein gerader dem Kopulierschnitt entsprechender Längsschnitt in die Rinde des Pfropfkopfes gefertigt. Durch den Saftdruck im Frühjahr lösen sich die Rindenflügel sehr leicht, so dass sich das zurechtgeschnittene Reis leicht hinter die Rinde schieben lässt. Das Reis sollte immer auf der Astoberseite eingesetzt werden. Am eingeschobenen Reis soll vom Kopulationsschnitt der Schnittansatz sichtbar sein; es dient so der besseren Verwachsung. Verbunden wird mit Bast, möglich sind auch Gummibänder oder Schnur. Nach dem Verbinden wird der komplette Verband sowie alle Schnittstellen sorgfältig mit Baumwachs verstrichen.
Braucht man spezielles Werkzeug, um einen Baum zu veredeln?
An Werkzeugen benötigt man ein scharfes Kopuliermesser oder Pfropfmesser, das es in jedem guten Fachgeschäft gibt. Außerdem einen Schleifstein, das Messer sollte immer sehr scharf sein, eine Säge zum Abwerfen der alten Krone, eine Baumschere, Bast zum Verbinden sowie zu guter letzt ein geeignetes, kalt streichbares Baumwachs zum Verschließen. Das ist alles - und dann braucht man nur noch jede Menge Experimentierfreude, mal etwas Neues am Baum auszuprobieren!
Tipp:
Die Aufveredelung einer bzw. mehrerer Sorten wird empfohlen, bzw. kann eine Alternative zur Rodung und anschließender Neupflanzung darstellen, wenn die bestehende Sorte nicht den gewünschten Erwartungen an die Frucht, deren Reife, Krankheitsanfälligkeiten usw. entspricht. Des Weiteren kommt ein aufveredelter Baum wesentlich schneller wieder in einen erwünschten Fruchtertrag, als bei einer entsprechenden Neupflanzung.