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Museumsscheuer

Haslacher Museumsscheune

Die Scheune ist gerdazu die ideale Kulisse für traditionelle landwirtschaftliche Gerätschaften, die Hans Wagner im Lauf von Jahrzehnten sammelte und die er jetzt der Öffentlichkeit vorstellte.

Samstagnachmittag. Hans Wagner legt letzte Hand an seine landwirtschaftlichen Kleinode, die er am Sonntag zum ersten Mal in seiner „Museumsscheune" einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen will. Der 69-Jährige wischt den Staub von einer Pflugschar, grün lackiertes Metall kommt an die Oberfläche - und mit ihm eine Fülle an Erinnerungen. Denn so manches Gerät, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, birgt Geschichten aus einer vergangenen Zeit. Geschichten, die der Haslacher in einfachen, ungekünstelten Worten zu erzählen weiß. Bis vor sieben Jahren trieb Hans Wagner seine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft um. Die Arbeit auf den Feldern und mit den Tieren hatte die Haslacher Familie jahrzehntelang geprägt, den Alltag eines Bauernkindes zur Zeit des Zweiten Weltkriegs kennt Hans Wagner gut.

Abbildung: Von wegen "altes Glomp": - Hans Wagner sammelt Gerätschaften aus vergangenen Tagen

Die harte Arbeit auf dem Feld mit dem Pferde- oder Ochsengespann prägt die Erinnerungen des Haslachers ebenso wie Anekdoten aus der Geschichte des Ortes. Die Raichbergstraße beispielsweise, in der Wagners landwirtschaftliches Anwesen liegt, führte früher wechselnde Namen, die so einiges über ihre Bewohner verrieten: So sprachen die Haslacher einst gerne von der „Sieben-Misten-Gasse", in der die besagten Misthaufen vor den sieben entsprechenden Gehöften thronten. Und in Kindheitstagen war Wagner von ausnehmend hübschen Nachbarinnen umgeben, deren Schönheit die Bevölkerung entsprechend würdigte, indem sie den klangvollen Namen der „Schönmädchenstraße" im Munde führte.

Stumme Zeugen jener Zeit sind die vielfältigen Arbeitsgeräte, die Hans Wagner in seiner Scheuer, die mit Fug und Recht als Museumsscheune bezeichnet werden darf, über viele Jahre hinweg gesammelt hat. Holzgabeln, Dreschflegel, Pferdegeschirre und eine hölzerne Egge zeugen von harter Handarbeit, beinahe luxuriös mutet dagegen eine Schleuder mit Handkurbel an, in der die Kartoffeln gewaschen wurden. „Nur reiche Bauern konnten sich das leisten", weiß Hans Wagner.
Viele der Dinge, die der Haslacher in seiner Scheune aufbewahrt, stammen aus dem Besitz seiner Familie und sind mit ganz persönlichen Erinnerungen verbunden. Andere wiederum hat der Sammler bei Entrümpelungen oder auf dem Flohmarkt ergattert.
Zu entdecken gibt es vieles in der Museumsscheune, selbst der kleinste, unscheinbarste Gegenstand ist der Betrachtung wert. Und dennoch: Hans Wagner ist mehr als nur ambitionierter Sammler - ein Zeitzeuge, der den Dingen in seiner Scheuer Leben einhaucht. Dabei bleibt der Bezug zur Heimat stets präsent: Dass man die Kartoffeln früher mit dem „Schalterle" hackte und mit der „Karscht" erntete, mit dem „Distelstupfer" entsprechend stacheligem Gewächs auf dem Ackerboden den Garaus machte oder dass das Pferdegespann mit einer „Kummet" im Zaum gehalten wurde, ist ein Stück Heimat- und Sprachgeschichte, das gerade in seinem engen lokalen Bezug von größtem Interesse ist.

Auch wenn er seine Landwirtschaft mittlerweile aufgegeben hat, ist Hans Wagner seinen Wurzeln treu geblieben. Er packt immer noch gerne an, macht das Holz für seinen Ofen im Wald selber und pflegt seine Streuobstwiesen. Sein 38 Jahre alter „Deutz"-Traktor ist ein Stück lebendiger Geschichte: Er verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart, leistet Hans Wagner auch im Zeitalter der hochtechnisierten Moderne gute Dienste. „Viele der Sachen in der Scheune benutze ich heute noch", berichtet der Haslacher. Andere wiederum hat die Zeit längst überholt: Die „Brech", ein hölzernes Gerät zum Brechen des Hanfes aus dem Jahre 1866, ist im Zuge der Modernisierungen ebenso überflüssig geworden wie das zierliche Spinnrad.

Das Glockengeschirr um den Hals des Pferdes, dessen Geläut die Ankunft des Müllers im Ort verkündete, ist in Hans Wagners Erinnerung ebenso lebendig geblieben wie etwa das „Milchzügle", das die Milch der Gäu-Bauern bis in die 70er Jahre hinein von Herrenberg aus nach Stuttgart kutschierte. Oder die Mädchen aus dem Schwarzwald, die bis in die 50er Jahre hinein beim „Hopfen zopfen" im Gäu aushalfen. Geschichten aus jener Zeit, in der das Namensschild am Zaum des Pferde- oder Ochsengespanns das Nummernschild ersetzte, hat der Haslacher seinen rund 180 Besuchern, die am Sonntagnachmittag in seine Scheune kommen, wahrlich genug zu erzählen.

MARION SCHRADE
Quelle: Gäubote Herrenberg

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