Der Roman „Im schwarzen Mantel“ beruht auf wahren Geschehnissen. Die eigentliche Romanhandlung wird von einem Erzählrahmen eingefasst. Christine B., eine ältere Dame, ist zu ihrem 70. Geburtstag von ihrem Sohn nach Kolumbien eingeladen, wo er an einem Film arbeitet. Er bemerkt die depressive Stimmung seiner Mutter und fragt sie nach den Gründen. Als Antwort schreibt sie während ihres dortigen Aufenthalts ihre bedrückende Lebensgeschichte nieder. Sie deckt damit eine Wahrheit auf, die ihr ganzes Leben überschattet hat.
Ihr Vater Heinrich, Sohn eines armen Tischlers, wächst bei den Großeltern auf. Mit dreizehn wird er Schuhputzer in einem Hotel. Doch der junge Mann hat ein Ziel: Er will ganz nach oben. Mit eiserner Disziplin und Strebsamkeit schafft er es: erst Polizist, dann Kripobeamter und schließlich Gestapo-Dienststellenleiter. Damit gehört er zum engeren Umfeld Hitlers.
Die Tochter des hohen Nazifunktionärs erzählt seine außergewöhnliche Geschichte, sie spricht auch über ihre Kindheit, geprägt durch Vernachlässigung, fehlende Liebe und Gewalt durch die alkoholkranke Mutter.
Am Ende ihres Lebens offenbart sie ihrem Sohn ein Wissen, das sie nicht zur Ruhe kommen lässt und das auch für ihn selbst eine ganz besondere Bedeutung erlangen könnte.
==> Pressestimme: Gäubote vom 10.10.2009
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Sylvia Smuda aus Haslach hat ein neues Buch geschrieben. Und wieder geht es um Identitäten, Schuld, Historie und die große Welt, die ihren finsteren Schatten hineinwirft in die kleine. Am Donnerstag las sie in der Herrenberger Stadtbibliothek - eine gut besuchte Lesung, denn die Autorin schreibt Geschichten, mit denen man sich identifizieren kann.
Von Thomas Morawitzky
Immer wieder, sagt sie über ihre Bücher, gehe es dabei um dieselbe Frage: "Wie kam es dazu, wie ist da jemand reingerutscht?" In diesem Fall stellt sie die Frage mit Blick auf Heinrich, die Hauptfigur ihres jüngsten Buches "Im schwarzen Mantel". Der schwarze Mantel ist Zeichen der Gestapo, Heinrich ist zunächst Schutzpolizist, der durch Dienstrangangleichung den Status eines SS-Untersturmführers erhält und schließlich zur Gestapo einberufen wird. Eine Einberufung, der er folgt, sein Beamtenstatus steht auf dem Spiel. "Wir hätten das alle genauso getan", meint Sylvia Smuda, und die Blicke ihrer Zuhörer in der Herrenberger Stadtbibliothek geben ihr recht: Heinrich hatte Familie, zwei Kinder, die er versorgen musste - so kommt es dazu, so rutscht man hinein.
"Im schwarzen Mantel" ist das fünfte Buch von Sylvia Smuda, die 1950 in Bad Kösen geboren wurde, 1959 aus der DDR floh, Anglistik und Kunst bis zum zweiten Staatsexamen studierte, lange Zeit als Lehrerin arbeitete und nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst in Tübingen ein spätes Studium der Psychologie aufnahm. Immer geht es in ihren Büchern um eine Identitätssuche, um Fragen der nachgeborenen Generation an die der Eltern. Bei "Im schwarzen Mantel" nun war es ein ungewöhnliches Erlebnis, das Smuda doch wieder zur Feder greifen ließ. Nach ihrem Roman "Der Sohn aus der Kälte" wollte sie im Jahr eigentlich die Schriftstellerei ruhen lassen. Das neue Buch ist die Biografie einer Frau, der Sylvia Smuda während eines Kuraufenthaltes begegnete. Die Erinnerung dieser Frau, Tochter des Gestapo-Offiziers, bildet die Rahmenhandlung des Buches. Darin geht es nicht nur um die Verstrickung in eine politische Schuld. Heinrich, geboren 1903, gelingt es nach Kriegsende seine Spur zu verwischen, sein Name tauscht bis heute in keinen Unterlagen auf, er lebte bis zu seiner Pensionierung 1968 als Justizbeamter in Bremen und starb 1978. Das Buch ist auch die Geschichte der Frauen, die ihn begleiteten: Christine, die Tochter, die als alte Frau die Geschichte erzählt, Anna, ihre Mutter, die Heinrich mit 17 Jahren auf einem Silvesterball kennenlernt und später unter seiner Laufbahn leidet. Während er auf Fortbildungen bei der Gestapo weilt, bringt sie ihm als "Gebärmaschine" Kinder zur Welt und verfällt schließlich dem Alkohol.
Es sind, wie immer in den Büchern von Sylvia Smuda, die einfachen Leute, die von den Monstrositäten der Geschichte gestreift werden. Die Autorin hat sich viel Mühe gegeben, der Entwicklung Heinrichs nachzuspüren. Sie schildert ihn als jungen Menschen in ärmlichen Verhältnissen, als Schuhputzer, was ihr Gelegenheit gibt, die Schuhmode der 1920er Jahre vorbeiparadieren zu lassen, und sie zeigt ihn als sympathischen, fleißigen und strebsamen jungen Mann. "Der ideale Schwiegersohn." "Ich versuchte herauszufinden", sagt Sylvia Smuda, "wo in dieser Lebensgeschichte die Weiche ist, von welchem Punkt an ich mit diesem Mann nicht mehr einig gehen kann."
"Im schwarzen Mantel" ist am 1. September 2009 erschienen, Sylvia Smuda hat vier Monate an ihrem Buch gearbeitet, umfangreiche Recherchen betrieben und wurde dabei von der Frau, deren Leben sie nachzeichnet, mit Originaldokumenten und Briefen unterstützt. Weitere Lesungen mit der Autorin finden statt am 17. Oktober in Sindelfingen, am 2. November in Tübingen, am 5. November in Kuppingen und am 26. November in Haslach.
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